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Beflocken

Die elektrostatische Beflockung ist eine Technik, bei der Fasern mit Hilfe eines elektrischen Feldes in Klebstoff „geschossen“ werden. Diese Technik ermöglicht es, eine Oberfläche samtweich zu gestalten, sie somit sichtbar und fühlbar zu veredeln. Zudem verleiht sie der so veredelten Oberfläche eine Dreidimensionalität durch eine deutlich wahrnehmbare Erhöhung. Das Beflocken kann vollflächig oder partiell erfolgen.

Technischer Hintergrund

Die elektrostatische Beflockung basiert auf der theoretischen Grundlage, dass Teilchen durch elektrische Kräfte bewegt werden können. Kurz geschnittene Fasern werden als Flock bezeichnet. Auf eine mit Klebstoff beschichtete Oberfläche werden Millionen von diesen Fasern in einem elektrischen Feld aufgebracht. Feldlinien bringen die Fasern dazu, sich in sehr hoher Gleichmäßigkeit senkrecht auszurichten, so dass eine textile, samtähnliche Oberfläche erzeugt wird.

Die Umsetzung in der Maschinentechnik erfolgt, indem auf das zu beflockende Material mit Hilfe des Siebdrucks eine Klebstoffschicht aufgetragen wird. Dazu wird jeder Bogen einzeln in die Siebdruckmaschine eingelegt. An den zu beflockenden Stellen befindet sich nun der viskose Klebstoff mit entsprechend langer offener Zeit. Im nächsten Schritt läuft der Bogen durch das elektrische Feld (ca. 60.000 V) zwischen Hochspannungselektrode und Gegenelektrode. Der Flock schießt mit hoher Geschwindigkeit senkrecht in den Klebstoff und bleibt kleben. Beim Auftreffen entladen sich die Fasern und fliegen von den Flächen ohne Klebstoff wieder zur Hochspannungselektrode zurück. Erst nach dem Trocknen werden die Bogen abgesaugt oder abgeblasen, um überschüssigen Flock zu entfernen. Das Druckbild entsteht. Anschließend können die Bogen weiterverarbeitet werden.

Durch hochwertige Klebstoffe, die heute verwendet werden, sind Beflockungen abriebbeständig und sehr widerstandsfähig geworden. Es kann sowohl der Acryl-Dispersionsklebstoff als auch der 2-Komponenten-PUR-Klebstoff (Harz und Härter) eingesetzt werden, wobei mit dem PUR-Klebstoff die besten Ergebnisse erzielt werden und unterschiedliche Papiersorten verarbeitet werden können. Die Strapazierfähigkeit lässt sich optimieren, indem Klebstoff, Flock und Trägermaterial aufeinander abgestimmt werden.

Wirkung

Dieser plastische Effekt macht Eindruck durch besondere Optik, verbunden mit einem außergewöhnlichen haptischen Erlebnis. Die Temperatur von beflockten Oberflächen durch Berühren mit den Fingerspitzen wird als wärmer empfunden. Somit besitzt diese Veredelungstechnik einen hohen Erinnerungswert. Die elektrostatische Beflockung eignet sich als Oberflächenveredelung von hochwertigen Verpackungen, Buchdecken, Prospekten, Werbe- und Weihnachtskarten.

Die Flockfasern sind in verschiedenen Dicken, Farben und Längen herstellbar. Damit lassen sich markante Oberflächenstrukturen erzeugen, die von samtweich über borstig-rauh bis hart und kratzig reichen. Auch die Optik und die Funktion wird damit beeinflusst. Die Flockdicke wird in dtex (Gramm pro 10.000 Meter Länge) und die Flocklänge in Millimetern gemessen. Das Verhältnis von Faserlänge zu Faserdicke bestimmt die Haptik der beflockten Fläche. Je länger und dünner die Fasern sind, desto weicher ist später die Oberfläche. Je dünner und feiner die zu übertragenden Linien sind, desto kürzer sollte die Flocklänge sein. Üblich ist eine Flocklänge von 0,5 mm. Bei einer Flocklänge von 1 mm kommt das reliefartige Erscheinungsbild besser zur Geltung, jedoch werden die Konturen unschärfer. 2 mm wird gelegentlich als Rasennachbildung eingesetzt. Für Fellimitate sind schon Flocklängen bis 16 mm eingesetzt worden, jedoch haben Flocklängen über 2 mm bei der Papierbeflockung nahezu keine Bedeutung.

Einsatzmöglichkeiten

Auf verschiedenen Trägermaterialien können Oberflächen vollflächig (Ganzflächenbeflockung) oder nur partiell (Designbeflockung) beflockt werden. Als Trägermaterial eignet sich grundsätzlich jeder Bedruckstoff, der eine glatte Oberfläche besitzt und auf dem der Klebstoff haftet. Eine leichte Prägung oder Rillung im Bedruckstoff ist aber tolerierbar. Damit der Klebstoff nicht zu stark in das Papier wegschlägt, sollte das Papier als Trägermaterial an den Stellen, die beflockt werden sollen, mit einem Primerlack lackiert sein. Die Saugfähigkeit des Papiers wird damit herabgesetzt, der Klebstoff bleibt an der Oberfläche und bindet den Flock.

Die Wahl des Flocks sollte auf den Einsatzbereich des zu veredelnden Druckproduktes optimiert werden. Polyesterfasern sind beispielsweise für die Außenanwendung bestens geeignet, die Knickstabilität ist jedoch geringer. Im Gegensatz dazu hält Polyamidflock auch hohen Druck aus. Die Fasern richten sich hier wieder auf.

Grundsätzlich lassen sich alle Textilfasern zu Flock verarbeiten, jedoch sind handelsüblich lediglich Polyamid- (Nylon-) und Viskoseflock am Markt erhältlich. Für Sonderanwendungen eignet sich Polyester- und Baumwollflock und vereinzelt auch Acrylflock. Nylon- und Viskoseflock steht in vielerlei Farben zur Verfügung, wobei jeder Flocklieferant seine eigene Farbpalette hat.

Grenzen

Es lässt sich in der Gestaltung der Oberflächen in der Regel nur einfarbiger Flock einsetzen. Bei der Verwendung von mehreren Farben wird die Produktion aufwendiger und somit teurer. Raster und feine Schriften mit sehr dünnen Linien sind kaum zu realisieren. Die Fasern bauschen sich auf, wodurch es schwierig ist, exakte und scharfe Konturen und Ränder darzustellen. Deshalb ist von kleinen Schriftgrößen und filigranen Motiven abzusehen. Die Flocklieferanten bieten Musterkarten mit unterschiedlichen Schriftgrößen, Linienbreiten und Punktdurchmessern sowohl in positiv als auch in negativ. Bei Negativschriften und -linien wird eine deutlich größere Linienbreite benötigt, da sonst die Flockflächen „zusammenwachsen“.

Das maximale Bogenformat für die Beflockung beträgt 70 cm x 100 cm.

Je nach Länge beeinflußt der Flock die weitere Verarbeitung. Das Ausrichten im Stapel (z.B. für das Schneiden) wird erschwert, da die Bogen »zu schwimmen« beginnen. Es kann nur in sehr niedrigen Stapeln gearbeitet werden, gegebenenfalls müssen die Bogen einzeln geschnitten werden.

Kosten

Der relativ langsame Arbeitsvorgang des Beflockens verursacht gegenüber dem Druck vergleichsweise hohe Produktionskosten. Ebenso sind die Fixkosten für Filme und Schablonen sowie das Einrichten der Maschine entsprechend hoch. Bedingt durch wenig Inline-Fertigung und einen hohen Anteil von Handarbeit (z.B. beim Anlegen in der Siebdruckmaschine) sind relativ hohe Stückkosten zu kalkulieren. Mit Vergrößerung der Auflage (ca. ab 1.000er Auflage) werden die Stückpreise günstiger.

Die Bedeckungsfläche des Flockmotivs und der damit verbundene Materialverbrauch von Klebstoff und Flock hat auf den Preis einen geringen Einfluss. Die Anzahl der eingesetzten Farben erhöht aber die Produktionskosten.

Eine Kostenersparnis kann erreicht werden, indem mehrerer Nutzen auf einem Bogen angeordnet und sie per Trennschnitt geschnitten werden. Nach dem Beflocken muss jeder Bogen einzeln geschnitten oder gestanzt werden, um einen präzisen Schnitt zu erhalten.

 

 

Quellen und weiterführende Informationen

[1] Diplomarbeit von Nicole Pfennig und Viktoria Steinwandel
Freie Hochschule für Grafik-Design & Bildende Kunst Freiburg e.V.

[2] Artikel „Streicheln erlaubt! Effektvolle Oberflächenveredelung durch elektrostatische Beflockung“ in „Palette - Das Kundenmagazin der Igepa Group Nr. 55“, (2008)

[3] Webseite Flock-Tec

Letzte Änderung: 3.2.2014
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