Heißfolienprägen

auch Folienheißprägen, Folien-Heißprägung

Das Heißfolienprägen ist ein Vorgang, bei dem unter der Wirkung von Druck, Temperatur und Kontaktzeit Schichten einer Prägefolie mithilfe eines Prägestempels auf das zu veredelnde Material übertragen werden. Hierin liegt der Unterschied zum Blindprägen, bei dem neben der Materialverformung keine Materialübertragung stattfindet.



 Planprägung mit Heißfolienübertragung, realisiert durch KAMA ProCut 74

Technischer Hintergrund

Als Prägewerkzeug kommen entweder Prägestempel oder Prägewalzen zum Einsatz, die als Hochdruckform vorliegen. Beiden Prägewerkzeugen ist gemein, dass die prägenden Elemente erhaben sind und dass sie vor dem Vorgang aufgeheizt werden. Die Temperatur ist dabei stark von der verwendeten Prägefolie, dem Bedruckstoff und dem Maschinentyp abhängig. In der grafischen Industrie werden Temperaturen von 80 °C und 220 °C genutzt.

Die erhabenen Stellen des Prägewerkzeuges kommen während des Prägevorgangs mit einer Prägefolie in Kontakt, die aus mehreren Schichten besteht. Auf eine Trägerfolie, die als Grundschicht dient, ist eine Trennschicht aufgebracht, die durch den Einsatz des erwärmten Prägewerkzeuges schmilzt und so die über ihr liegenden Transferschichten freigibt. Die Transferschichten umfassen die optisch wirksamen Schichten und die Haftschicht. Die Haftschicht (ein reaktivierbarer Klebstoff) verbindet die optisch wirksame Schicht dauerhaft und wischfest mit dem Bedruckstoff.

Für die optisch wirksame Schicht können Farbpigmente, Metallpigmente und Lacke zum Einsatz kommen, was zu sehr unterschiedlichen visuellen Effekten führt.

Findet eine Kombination von Heißfolien- und Reliefprägen statt, kann dies in einem einstufigen oder zweistufigen System erfolgen. Beim einstufigen Verfahren werden Relief und Folie in einem Arbeitsgang übertragen, dadurch werden Passerdifferenzen zwischen der übertragenen Folie und der Verformung verhindert. Beim zweistufigen Verfahren, welches besonders für hohe Reliefs mit steilen Anstiegen zum Einsatz kommt, erfolgen die Bildung des Reliefs und die Folienübertragung in zwei Vorgängen. Zunächst wird die Folie auf das Prägematerial übertragen und im nächsten Schritt erfolgt die Erstellung eines Reliefs durch eine Blindprägung. Der hier zusätzlich auszuführende Arbeitsgang erfordert nicht nur hohe Präzision, um Passerdifferenzen auszuschließen, sondern erhöht auch die Kosten.

Das Heißfolienprägen kann mit den folgenden Präge­systemen ausgeführt werden: flach gegen flach, welches bei der Veredelung von Buchdecken Anwendung findet; rund gegen flach, welches bei Feinkartonagen ausgeführt wird, und rund gegen rund, welches seinen Einsatz bei Etiketten findet. Durch die ver­schiedenen Ausführungs­möglichkeiten als Planprägen, Reliefprägen oder Strukturprägen gewinnt das ge­prägte Material noch mehr Individualität.

Wirkung

Diese Prägevariante wirkt über visuelle und haptische Effekte. Häufig werden metallisierte Folien eingesetzt, um insbesondere mit gold- oder silberfarbenen Effekten Hochwertigkeit zu erzielen. Außerdem ist ein hoher Kontrast zwischen matten und glänzenden Elementen zu erreichen. Ebenso sind gezielte haptische Effekte zwischen geprägten und ungeprägten Oberflächen erreichbar. Der Gestaltung sind hier keine Grenzen gesetzt, man kann sowohl raffinierte als auch feine Elemente prägen.

Einsatzmöglichkeiten

Das Heißfolienprägen wird vor allem bei der Veredelung von Buchdecken und Umschlägen, für Broschuren oder hochwertige Zeitschriften, sowie bei Urkunden, Gutscheinen, Eintritts- und Visitenkarten eingesetzt. Weitere in Frage kommende Produkte sind Umschläge für Prospekte und Geschäftsausstattungen.

Grenzen

Grenzen für das Heißfolienprägen sind durch die Oberflächenstruktur, Oberflächenhaftfähigkeit (Bedruckbarkeit) sowie das Elastizitätsverhalten des Materials gegeben. Zudem muss das verwendete Material ein Mindestmaß an Hitzebeständigkeit aufweisen, damit eine Übertragung mittels des aufgeheizten Prägewerkzeuges erfolgen kann.

Kosten

Beim Heißfolienprägen werden die Fixkosten durch den Prägestempel belastet, der für jedes Motiv extra angefertigt werden muss. Die weiteren Kosten sind abhängig von der Größe des Motives und die flächenmäßige Ausnutzung der Prägefolien. Je niedriger die Auflage, desto größer sind die Auswirkungen auf die Gesamtkosten. Zweistufige Verfahren sind durch den zusätzlichen Arbeitsaufwand ebenfalls kostenintensiver.

 

 

Quellen und weiterführende Informationen

[1] Arbeitskreis Prägefoliendruck; Böcher, Hans-Georg (Hrsg.): „Prägefoliendruck, Verfahren,Technik und Gestaltung“, 2005 Hüthing GmbH&Co.Kg, Heidelberg

[2] Beckmann, Till; Morlok, Franziska: “Extra: Enzyklopädie der experimentellen Druckveredelung“; 1.Auflage 2009, Birkhäuser Verlag

[3] Bendig,E., u.a.: „Lehrbuch der industriellen Buchbinderei“, 2. Auflage 1990, Fachbuchverlag Leipzig, Leipzig

[4] Liebau, Dieter; Heinze, Inés: „Industrielle Buchbinderei“, 1. Auflage 1997 sowie 3.Auflage 2010, Verlag Beruf+Schule, Itzehoe

[5] Webseite KAMA GmbH

[6] Webseite Achilles

[7] Webseite Arbeitskreis Prägefoliendruck

[8] Webseite Bölling GmbH & Co KG

[9] Webseite Gräfe Druck & Veredelung

[10] Webseite Druckerei Max Sames

[11] Webseite Spezialdruck